Historischer Stadtrundgang

Rathaus

1586/87 als Wohnhaus erbaut von Amtmann Hermann Rüdiger von Hersfeld. 1593 für 2000 Taler als Rathaus an die Stadt Grünberg verkauft. 1822 wurde der Renaissancebau verputzt, der durch zwei Stockwerke gehende Eckerker abgetragen und die reiche Ornamentik verdeckt, die 1922 wieder freigelegt wurde.
1966 wurde auch das Fachwerk sichtbar gemacht. 1980 Restaurierung des Fachwerkes, der Ornamentik und Neuanbringung des Erkers.

Ratsschenke

1720 in schöner Fachwerkkonstruktion erbaut. Einst Sitz des landgräflichen Gerichtsbeamten.

Stadthaus

Ursprünglich zwei Giebelhäuser, die 1806 unter einem Mansardendach vereinigt wurden. Das zweite Haus ist das Ältere, es wurde 1665 von Johannes Benedikt Stammler erbaut und war die erste öffentliche Apotheke in Grünberg. Der Baustil ist klassizistisch. Als Stadthaus 1979 eingeweiht.

Die alte Post

Ein prächtiger Barockfachwerkbau aus dem Jahre 1668. Früher diente er als "Poststation". Die hohe Halle erinnert noch heute an die ursprüngliche Funktion.

Gotisches Fachwerk zeigen die beiden anschließenden Häuser; das Eckhaus zur Marktgasse wurde 1529 erbaut.

Aus dem 18. Jahrhundert sind die beiden Fachwerkhäuser an der Ostseite des Marktplatzes. An ihrer Grenze, vorgelagert auf dem Marktplatz, stand vom 15. Jahrhundert bis 1890 ein aus Stein gemauerter Brunnen.

Bei der Neugestaltung des Marktplatzes 1980 wurde bei Erdarbeiten ein Schachtbrunnen freigelegt, der mit grösster Wahrscheinlichkeit aus der Zeit der Entstehung der Stadt stammt. Er ist 36 m tief, die Brunnenwandung besteht aus abgerundeten Basaltsteinen, die bei 18,8 m endet. Aufgrund der im Füllmaterial gefundenen Münzen ist anzunehmen, dass der Schacht zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfüllt worden ist.

Kirche

An der Stelle der heutigen Stadtkirche, die 1846-1852 erbaut und 1964-1967 umgebaut wurde, stand bis 1816 eine der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende gotische Kirche.

Tränenweibchen

An der Südseite der Stadtkirche steht ein Denkmal und eine Gedenktafel für den 1761 bei Grünberg gefallenen General von Reden. Die Statue wurde 1770 von dem bedeutenden Bildhauer Samuel Nahl geschaffen.

Brauhaus

Das "Brauhaus" ist ein Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert. 1921 wurde der Bau zu einem Wohnhaus umgestaltet. Den vorgelagerten Brunnen auf dem Winterplatz ziert ein Löwe, eine Nachbildung des alten Marktbrunnen-Löwen, der den Grünberger Wappenreiter hält.

Brunnenhäuschen

Das Brunnenhäuschen in der Nähe der ehemaligen turmbewehrten Brunnenpforte (der eingemauerte Sandstein mit der Jahreszahl 1582 stammt von ihr) wird erstmals um 1560 erwähnt und zwar mit dem Hinweis, dass vorher schon ein Holzhäuschen dort gestanden hat, in welchem bereits seit 1419 das aus dem Brunnental hochgepumpte Wasser gesammelt und durch ein Röhrensystem zu den einzelnen Brunnen in der Stadt geleitet wurde.

Brunnental

Nordöstlich des Winterplatzes fällt das Gelände 60 m steil ab und bildet mit dem gegenüberliegenden Hang das Brunnental, durch das sich der Äschersbach sein Bett gegraben hat. Aus vielen unterirdischen Basaltspalten quillt klares Quellwasser empor, das sich in zwei Teichen sammelt und bachabwärts einst die Brunnenkunst im Tale, das Pumpwerk zur Förderung von Trinkwasser in die Stadt und im weiteren Verlauf die Mühle zum heiligen Born, die Stadtmühle und die Steinmühle antrieb.
Die heutige Naherholungsstätte Brunnental verdankt Grünberg dem Grünberger Verkehrsverein, der 1901 begann Wege anzulegen und 1908 auf der der Stadt gegenüberliegenden Seite Grundstücke ankaufte, die durch Wege begehbar gemacht wurden.

Burg

Auf der höchsten Stelle der Basaltkuppe, in der Höhe des mittleren Terrassenhauses, stand die 1186 erbaute Burg, über deren Ausmaße nur sehr wenig bekannt ist. An ihre Stelle trat 1533 ein dreigeschossiger Fachwerkbau, ungefähr an der Stelle des ersten Terrassenhauses, in dem der Sitz der landgräflichen Verwaltung untergebracht war.
1810 verkaufte der hessische Staat die Burg an Grünberger Bürger. Die letzten Eigentümer haben 1969 den ehrwürdigen Bau zum Abbruch freigegeben. Entlang des Weges unterhalb der ehemaligen Burg sieht man an mehreren Stellen noch die alte Stadtmauer.

Neupforte/ Alsfelder Brücke

Auf diesen Weg gelangt man zur "Neupforte" die erst um 1580 entstanden ist, als über die Äschersbach ein Erddamm aufgeworfen wurde, um die alte Handelsstrasse "durch die kurzen Hessen" abzukürzen.

Universitätsbau

Oberhessens höchster fachwerkbau, der Anfang des 16. Jahrhunderts als Speicher des Klosters erbaut und 1542 der Marburger Universität und 1613 der Gießener Universität während Pestzeiten als Unterkunft diente.

Antoniterkloster/ Schloß

Die Antoniter, ein Hospitalorden aus Frankreich, 1095 gegründet, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die von der im Mittelalter sehr verbreiteten Kribbelkrankheit (Antoniusfeuer) Befallenen zu pflegen und zu heilen. In Grünberg scheinen die Antoniter erstmals 1222, als sie in Templin in Mecklenburg ein Filialkloster gründeten. Sie trugen eine schwarze kutte mit einem blauen T (griechisches Tau), das man noch heute im Siegel der Universität Gießen und im Wappen des Landkreises Gießen erkennen kann. Der Querbau im Südwesten war früher die Kirche, erkennbar an den Strebenpfeilern und dem gotischen Sakristeifenster. im Nordwesten, auf der Stadtmauer, befindet sich der Mönchsbau, der ursprünglich über die Aussenmauern hinausgegangen ist. An der Innenseite des Schloßhofs angelehnt ist ein Grabstein des Präzeptors Nikolaus von Lindenstruth von 1350. Das gegenüberliegende Gebäude, das eigentliche "Schloss", wie es seit dem Umbau nach 1577 heisst, enthält auch noch viele bauliche Reste aus klösterlicher Zeit.
Die Fachwerkteile stammen alle aus der nach-reformatischen Umbauzeit, als Landgraf Ludwig IV. das Schloss zum Wittum seiner Gemahlin Hedwig bestimmte. An der Hofinnenseite eingemauert sieht man im vertieften Feld eine Mönchsfigur mit dem Antoniterkreuz auf der Brust, das zwei Wappenschilder, das hessische und das mecklenburgische, hält.

Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Marstall des Klosters, der aus dem Jahr 1500 stammt.

Schlossgasse/ Marktgasse

Der prächtige aus dem Jahr 1634 stammende Fachwerkbau ist mit seiner seltenen Ornamentik ein Kleinod der Stadt. Durch den Torbogen des gegenüberliegenden Fachwerkhauses erreicht man die Marktgasse - ehemals Verbindung vom Antoniter-Tor zum Marktplatz - heute Fußgängerzone.

Höfentränke

Der Göbelnröder-, Marburger- und Burgemünderpforte war im Nordwesten vorgelagert - die Höfen. Die Marktgasse und die Altstadt waren mit den Höfen durch die Höfetränksbrücke verbunden, die über einen Graben führte, der mit Wasser gefüllt war. Die Tränke wurde 1952 aufgeschüttet und 1970 in den heutigen Zustand versetzt.

Auf einer kleinen Erhebung befanden sich die Dingestühle oder das Gedinge, eine Gerichtsstätte im Freien. Heute steht dort ein 1873 errichtetes Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Kreises Grünberg in den Kämpfen um 1870/71 (Grünberg war von 1832-1848 und von 1852-1874 Kreisstadt).

Barfüßerkloster

Direkt neben dem Diebsturm liegt der gotische Bau des Franziskanerklosters, auch Barfüßerkloster genannt, das Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Die erste noch erhaltene Urkunde liegt aus dem Jahr 1272 vor. Nachdem 1528 das Kloster säkularisiert wurde, zogen die letzten Mönche nach Limburg oder Köln. Bald verfielen die Gebäude, die sich im Bereich der heutigen Grünanlagen befanden. Bis auf das Wohnhaus der Mönche wurden Ende des 16. Jahrhunderts alle Gebäude abgerissen. Die Außenmauer des Wohnhauses steht direkt auf der Stadtmauer. Der verbliebene und restaurierte Teil der Klosteranlage wird heute für kulturelle Zwecke und wegen seines Ambientes auch oft für Trauungen genutzt.
Der Gewölbekeller im Inneren mit seinem Brunnen mach den besonderen Reiz dieses Gebäudes aus. Der Treppenturm im Norden ist ebenfalls noch erhalten.

Diebsturm

Das Wahrzeichen der Stadt ist der um 1200 entstandene Diebsturm mit seinem ungewöhnlichen Grundriss in Tropfenform. Er ist der einzige noch erhaltene Turm der alten Stadtbefestigung und diente lange Zeit auch als Gefängnis - daher auch sein Name. Im zweiten Weltkrieg wurde der Turm als Munitionslager genutzt und von den alliierten Truppen teilweise gesprengt.

Er ist 25 m hoch, innen kreisrund, in den äusseren Mauern aber nur soweit, als er innerhalb der Stadtmauer steht. Die Teile, die über die Mauer hinausragen, haben gerade Wände, die sich in einer Kante vereinigen. Früher war er nur vom Wehrgang der Stadtmauer mittels eines Umganges, dessen Konsolen zum teil noch sichtbar sind, zugänglich.

Im Zuge der Restaurierung wurde er zum Aussichtsturm ausgebaut. Im Innern dokumentiert eine kleine Ausstellung die Geschichte des Turmes.

Rabegasse

Hier findet man mehrere schöne Fachwerkbauten aus verschiedenen Epochen

Augustinerinnenkloster

Mitte 15. Jahrhunderts errichteten die Augustinerinnen, direkt neben der damaligen Kirche St. Paul, ein Kloster. Ab dem 16. Jahrhundert diente es der Stadt als Hospital. Die große zweischiffige Halle im Erdgeschoss ist typisch für die Spitalsbauten dieser Zeit. Von dem Kloster ist heute noch ein langgezogenes Fachwerkgebäude erhalten. Nach einer umfassenden Sanierung ist seit 2007 das Grünberger "Museum im Spital" hier beheimatet.
Panorama1 Museum im Spital
Panorama2 Museum im Spital
Panorama3 Museum im Spital

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